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Gedenkrede zum Volkstrauertag

20.11.2018 Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, 2018 ist ein besonderes Jahr des Gedenkens. Wir erinnern uns heuer an die Jahrestage von zwei kriegerischen Ereignissen, die einschneidende Konsequenzen für unser Land, unsere Region und unsere Stadt hatten.

Gedenkansprache des Bürgermeisters

Vor 400 Jahren, im Jahr 1618, begann der Dreißigjährige Krieg mit dem Prager Fenstersturz. Und vor 100 Jahren, genau am 11. November 1918, endete der Erste Weltkrieg. Beide Konflikte brachten ungeheures Leid und menschliche Katastrophen mit sich.

Der Dreißigjährige Krieg hat sich tief unser kollektives Gedächtnis eingebrannt. Noch heute ist er gerade in unserer Gegend so präsent, wie kaum ein anderes historisches Ereignis. Zahlreiche Bräuche, Traditionen, ja selbst Sprichwörter gehen auf diese Zeit zurück. Wir Wallenfelser freuen uns jedes Jahr auf die Fronleichnamsprozession. Wenn dabei der Schwedenfähnrich die Schwedenfahne über der Schwedenbrücke schwenkt, dann ist die eine Art Gruß aus einer längst vergangenen Zeit als die Truppen des Königs Gustav Adolf Tod und Leid über die Menschen im Frankenwald brachten.

Im Gegensatz dazu, ist der Erste Weltkrieg eigenartiger Weise fast in Vergessenheit geraten. Es gibt keinen Brauch und keinen Gedenktag, der an ihn erinnert, obwohl im Vergleich zum Dreißigjährigen Krieg doch „erst“ 100 Jahre vergangen sind. Völlig anders ist das bei unseren Nachbarn in Frankreich und unseren Freunden in England. Dort ist der Great War oder Grand Guerre sehr präsent. So gedenkt man in England der Toten aller Kriege am 11.11., dem Tag des Waffenstillstandes von 1918, genannt Armistice Day.

Die Gründe für das Vergessen des Ersten Weltkrieges liegen auf der Hand: Der Zweite Weltkrieg kostete bei uns weit mehr Menschenleben. Wir können dies an den Kriegerdenkmälern in Wallenfels ablesen. Während das für den Ersten Weltkrieg fast etwas versteckt im hinteren Teil der Kirche angebracht ist, stehen wir hier vor einer ganzen Wand mit Namen.

Wir dürfen und sollten den Ersten Weltkrieg aber nicht vergessen. Denn auch seine Geschichte, die Geschichte des Krieges, aber vor allem die tragische Geschichte des anschließenden kurzen Friedens, hat uns auch heute noch etwas zu sagen.

Die Männer, die das Glück hatten, überlebt zu haben, kehrten 1918 aus dem brutalsten Krieg der Menschheitsgeschichte zurück. Viele der Soldaten hatten nicht nur am Körper, sondern auch an der Seele bleibende Schäden davongetragen. Der Wunsch nach Frieden war deshalb übergroß. So groß, dass er die alten Herrscher in Deutschland mit ihren Monarchien hinwegfegte.

Aber wie konnte es dann geschehen, dass nur 15 Jahre nach dieser Friedenseuphorie ein verbrecherisches Regime in Deutschland an die Macht kann, das dann weitere sechs Jahre wieder einen Krieg vom Zaun brach? Ein Krieg, der erneut alles, was man bis dahin erlebt hatte, in den Schatten stellte?

Die Antwort darauf ist schwierig, einige der Ursachen sind allerdings von erschreckender Aktualität: 

Der Friede nach dem Ersten Weltkrieg ist zuallererst am Nationalismus gescheitert. Der Friedensvertrag von Versailles, war weder ein Vertrag noch ein Friede. Die Siegermächte hatten dem Deutschen Reich nämlich nicht nur die alleinige Verantwortung für den Krieg zugewiesen, sondern auch noch alle Lasten aufgebürdet. Das Reich musste große Gebiete abgeben und Reparationen tragen, der erst in den 1990er Jahren abgezählt gewesen wären.

Die Politiker der Siegerstaaten dachten nur an die nationale Ehre, eine zweifelhafte Ehre, die offensichtlich erforderte, die Verlierer herabzusetzen. Die Menschen in Deutschland empfanden dies zu Recht als Demütigung. Und sie haben ihrerseits damit geantwortet, dass sie nationalistische Parteien wählten.
Auch heute feiert der Nationalismus wieder fröhliche Urstände. Es gibt Staatschefs – auch in der westlichen Welt – die sich stolz als Nationalisten bezeichnen. Parteien – auch bei uns – die den Slogan plakatieren – hol dir dein Land zurück.

Haben wir also aus der Geschichte gelernt? Wir dürfen das bezweifeln! 

Der Friede nach dem Ersten Weltkrieg ist nicht zuletzt auch an der Lüge gescheitert. Die Urlüge der Weimarer Republik besagte, dass die Kapitulation keine Niederlage des im Felde ungeschlagenen kaiserlichen Heeres war, sondern alleine von den demokratischen Parteien der späteren Koalition und den Friedensdemonstranten zu verantworten war. Es war vom Dolchstoß die Rede.

Die Wahrheit war eine andere, denn die Generäle hatten in einer militärisch aussichtslosen Lage noch kurz vor Kriegsende eben jenen Demokraten die Macht übertragen. Damit wollten sie verhindern, dass sie selbst ihre Unterschrift unter den Waffenstillstand setzen mussten und dadurch ihr komplettes Versagen eigestehen mussten. Ein Versagen, das Millionen junger Menschen das Leben kostete.

Diese Lüge verfing auf schreckliche Art und Weise und forderte Menschenleben. So wurde der Politiker Matthias Erzberger, der den Friedensvertrag für das Deutsche Reich unterschrieben hatte, wenige Jahre später von rechten Fanatikern erschossen. Auch heute wird die Lüge wieder als Mittel der Politik eingesetzt. Nur ist heute nicht mehr von Lüge, sondern von Alternativen Fakten die Rede. Und es gibt politische Führer, denen es gleich ist, ob sie der bewussten Unwahrheit überführt werden. Sie schaffen sich ihre Wahrheit selbst.

Haben wir also aus der Geschichte gelernt? Ich bezweifle es!  

Der Friede nach dem Ersten Weltkrieg scheiterte nicht zuletzt an der Verachtung einer Mehrheit in Deutschland für die Demokratie. Die Saat für die Verachtung wurde durch die Dolchstoßlegende gelegt.

Doch auch in den Folgejahren konnte die Demokratie nie wirklich Fuß fassen. Das Parlament wurde als Quasselbude verspottet, die in einer Demokratie notwendigen Kompromisse wurden zumeist als faul diskreditiert.

Die radikalen Parteien von links und rechts boten einfachere Lösungen an. Lösungen, die zumeist aus einem entweder oder, einem wir gegen die bestanden: Deutschland gegen die Siegerstaaten, arm gegen reich, Arbeiter gegen Kapitalisten, sogenannte Arier gegen Juden. Auch heute werden wieder zuhauf einfache Lösungen angeboten und das nicht nur bei uns:

Den Menschen wird vorgegaukelt, dass sich Probleme durch Abschottung und nationale Alleingänge lösen lassen. In Deutschland wird gefordert, endlich wieder nur deutsche Interessen durchzusetzen. Politiker, die sich darauf nicht einlassen, werden als Volksverräter gebrandmarkt. Immer öfter werden Bundes- und Landtagsabgeordnete auch offen bedroht.

Haben wir aus der Geschichte gelernt? Ich bezweifle es! 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

haben wir aus der Geschichte gelernt? Ich wünschte mir, dass ich darauf mit einem JA antworten könnte. Ich wünschte mir, dass in unserem Land Nationalismus keinen Platz hätte. Ich wünschte mir, dass wir einen gesunden Patriotismus leben, der andere Nationen respektiert. Ich wünschte mir, dass wir es nicht zulassen, dass Lügen unsere Gesellschaft spalten und ich wünschte mir, dass wir als aufrechte Demokraten die Meinung des anderen respektieren und uns bei unterschiedlichen Meinungen auf die Suche nach einem ehrlichen Kompromiss machen.
Deshalb wünsche mir, dass wir weder die Toten des Zweiten noch die des Ersten Weltkrieges vergessen. Denn ihr Tod hat uns heute noch etwas zu sagen.